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27.Sept: Yushu
Der Tag stand uns für den Besuch verschiedener Klöster zur Verfügung.
Yushu und Umgebung gilt als eines der letzten Zentren der nicht reformierten
Schulen des tibetischen Buddhismus. Jiegu, Longxi und das Kloster der
Prinzessin Wengcheng stehen auf unserem Programm. Der Name der Prinzessin
Wengcheng ist eng mit der berühmten goldenen Buddhafigur des Jowo Sakyamuni
verknüpft, die heute das zentrale Heiligtum des Jokhang von Lhasa, Tibets
heiligstem Tempel, bildet. Die Prinzessin brachte die Statue 641 als Mitgift
nach Tibet, als sie König Srongtsen Gampo heiratete. Unter dem Einfluss
seiner buddhistischen Ehefrauen bekannte sich Srongtsen Gampo zum Buddhismus
und erhob ihn zur herrschenden Religion, weswegen er als „Religionskönig“
In die Geschichte Tibets eingegangen ist. Beiindruck hat mich auch die
riesige Mani-Mauer, auf der angeblich ueber 2.3Mrd Steine liegen. Wollte
hier urspruenglich einen schoen gravierten Stein kaufen, aber leider waren
alle neuen ziemlich lieblos gefertigt und oft kitschig bunt bemalt.
Anderseits hatte ich Respekt vor den schonen, alten Steinen auf der Mauer
und so habe ich dort natuerlich keinen weggenommen.
28.Sept: nach Sershui
Wieder im Fahrzeug geht es auf schwieriger Piste nach Shiqu (Serxu?).
Insgesamt sind 150 km zu bewältigen, doch legen wir unterwegs auch eine
Pause ein und das Kloster Sershul besuchen. Das große, von etwa 800 Mönchen
bewohnte Gelugpa-Kloster liegt in-mitten einer weiten, hügeligen Landschaft
auf über 4000 m Höhe. Nachdem sich herausstellte, dass ein Taiwanese hier
ein neues Gaestehaus gebaut hat, aenderten wir unseren Plan und uebernachteten
hier, anstatt weiter nach Shiqu zu fahren. Derzeit wird das ganze Kloster
neu renoviert bzw wieder aufgebaut, nachdem es waehrend der Kulturrevolution
von den Chinesen zerstoert wurde.
29.Sept: Manigango
Heute steuern wir Manigango, einen Verkehrsknotenpunkt im Grasland von
Derge an (190 km). Weil wir im Kloster uebrnachtet haben muessen wir schon
frueh los, geniessen dadurch aber auch den schoenen Sonnenaufgang. Eine
kleine Wanderung (etwa 3 km) zum Kloster Dzochen unterbricht unsere Fahrt.
Das Kloster liegt versteckt in einem wunderschönen, von verschneiten Gipfeln
über-ragten Tal in etwa 4020 m Höhe. Dzochen, gegründet Ende des 17. Jahrhunderts,
gehört zu den größten Klöstern der Nyingma Schule in Kham und ist eine
beliebte Pilgerstätte, bekannt auch für seine Meditationsklausen. Mittag
machen wir ein Picknick ueber einem gruenen Tal ...unten weiden Yaks am
Fluss und blauer Raquch steigt aus dem Nomadenzelten auf. Übernachtung
in einem einfachen Gästehaus.
30.Sept: nach Derge
Wir nähern uns Dege (Derge), 110 km von Manigango entfernt. Die Stadt
wird oft als kultureller Mittelpunkt von Kham betrachtet. Dege zählt noch
heute mehr Tibeter als Chinesen zu seinen Bewohnern. Wir folgen einer
rauen Hochgebirgsstraße und unternhemen am Xinlu, einen sehr schönen,
als heilig verehrten Gletschersee, und den Vogelberg (Chola Shan) eine
kleine Wanderung. Treffe im Dege Tony, dem Chef vom Cotton Club und Plant
Shanghai, wo wir oft zum Essen gehen ...wieder kleine Welt. Bekannt ist
Dege für seine 250 Jahre alte Druckerei, einst die größte von ganz Tibet.
Untergebracht ist die Druckerei in einem dreigeschossigen, imposanten,
mit Fresken geschmückten Gebäude. Von einem Innenhof aus kann man den
Tempel im Erdgeschoss, eine Kapelle im Obergeschoss und die Druckerei
im 1. Stock betreten. Hier spielt sich der gesamte Druckprozess ab - von
der Vorbereitung des Papiers über die Herstellung der Druckstöcke bis
hin zum eigentlichen Druckvorgang.
1.Okt: nach Qamdo
Eine sehr lange und schwierige Fahrt nach Qamdo (3200 m), einer der größten
Städte Osttibets liegt vor uns. Die unglaublich schlechte, sandige Strasse
schein kein Ende zu nehmen und alle hoffen, dass die Wasserpumpe des Toyota,
die seit gestern leckt durchhaellt. In grossen Hoehen schlaengeln sich
die Serpentinen unablaessig auf- und ab. Zwischendurch schine Fotomotive
(Drachruecken), aber wir muessen weiter...Erst als der Damala-Berg bewaeltigt
ist, liegt Qamdo nach 12 Stunden schaukelnder Fahrt unter uns im Tal.
Unterwegs besuchen wir eine Familie in Ihrem Holzhaus. Man baut hier eine
Art von Blockhaeusern, die im Inneren sehr dunkel und russig sind. Da
wir uns nun in der Provinz Tibet befanden und zudem noch in einem fuer
Touristen nicht freigegebenen Bereich, mussten von unserem Reisefuerer
erstmal die Formularitaeten bei der Polizei getaetigt werden. In den vorher
beantragten Berechtigungsschreiben sind genau der Zeitraum und (!) die
Ort fuer unseren Aufenthalt eingetragen - ohne das geht hier nichts !
Das
2.Okt: Qamdo
Da derzeit ein Festival in Qamdo stattfindet beschliessen wir eine weitere
Nacht zu bleiben und nicht in Bangda zu uebernachten. Morgens besuchen
wir eine Open-Air-Tanzvorfuehrung, wo wir fuer die Einheimischen und die
Fernsehkamears leider mehr attraktiv waren als die eigentliche Show...
Auch vom anschliessende Ringkampf liessen sich viele Tibeter durch unsere
Anwesenheit ablenken. Anschliessend besuchten wir das auf einem Plateau
über der Stadt liegende Kloster Qiangbalin, in dem heute etwa 700 Mönche
leben. Im 15. Jh. von einem Schüler Tsongkhapas gegründet, gilt es als
das älteste und eines der größten Gelugpa-Klöster von Kham. Im 20. Jh.
wurde es leider mehrmals zerstört, doch einige Gebäude der ursprünglich
das ganze Plateau bedeckenden Anlage wurden wieder aufgebaut. Sehr interessant
fand ich die Kueche (fuer Frauen verboten) in der man sich ins Mittelalter
zureuckversetzt fuehlt. Riessige, russige Toepfe, ueber Holzfeuer - von
oben faellt ein schwacher Lichtrahl durch die Dachbalken auf den ueber
den Ofen gelagerten Raeucherkaese. Im Kloster herrscht uebrigens ausdrueckliches
Fotografierverbot. Abends hatte wir das Glueck, durch gute Beziehungen
einer Hotelanbgestellten, die uns uebrigens den ganzen Tag durch bdie
Stadt gefuehrt hat, an Karten fuer die Folkloreauffuehrung im oertlichen
Theater zu kommen.
3.Okt: nach Markam
Um die verlorene Zeit auf dem Weg nach Markam (3700m) wieder aufzuholen,
klingelte der Wecker heute schon um 5:20 und wieder standen uns 12 Stunden
Fahrt bevor. Auf dem Weg sahen wir dann einen einsamen Wolf am Strassenrand
auf uns blicken. Leider hatten wir auf einem der engen Gebirgsstrassen
einen Uunfall mit einem Lastwagen, dessen Fahrer leider kein Geld hatte
den Schaden zu bezahlen. Da half es auch nichts den armen Kerl 2 Stunden
weiter in Markam auf die Polizei zu schleifen.
4.Okt: nach Dechen
Wir befinden uns in einer dicht besiedelten, fruchtbaren Region, die sich
auf den Hochflächen zwischen Mekong und Yangtze erstreckt. Stattliche,
meist mehrgeschossige Häuser aus weiß gekalkten Adobeziegeln sind typisch
für diese Gegend. Leider bleibt wenig Zeit fuer Fotos, weil wir bis 12
Uhr eine Baustelle am Pass erreichen muessen, die taeglich nur kurz fuer
Fahrzeuge offen ist. Morgens ist das Wettre schoen, zieht aber dann zu
und es beginnt zu regenen. Südlich von Markam erreichen wir Dechen (Deqin
?). Der gleichnamige Bezirk umfasst das Tal des Mekong südlich von Tsakalho
sowie die Bergkette Meili Xueshan...leider ist wegen den schlechten Wetter
von den Bergen nichts zu sehen.
5.Okt: Meili Xueshan
Heute führt uns eine Wanderung zum Gletscher des Meili Xueshan. Es regnet
, es ist kalt.... Der Berg Meili, ein (theoretisch) schöner, von 8 Gipfeln
gekrönter Schneeberg, liegt im Grenzbereich Yünnan/Tibet. Der Kawagabo
(Kawa Karpo), sein höchster Gipfel, zugleich die höchste Erhebung von
Yünnan, ragt 6740 m in den Himmel. In Kham und Amdo werden diese weißen
Berge mit Padmasambhava in Zusammenhang gebracht und verehrt, sie sind
ein wichtiges Pilgerziel. Von Dechen fahren wir in etwa 2 Stunden zum
Dorf Mingyong (2300 m), unserem Ausgangspunkt. Zu Fuß geht es nun weiter
zum Tempel Taizi (Tempel des Prinzen; 2750 m), wo sich die Gletscherzunge
befindet. Für die 7 km lange Strecke (700Hoehenmeter) benötigen wir rund
2 Stunden. Tallandschaften, Urwald und Gletcher - die kontrastreiche Landschaft
dieser Tagesetappe beschert uns viele neue Eindrücke...das schoenste war
aber die warme Dusche danach im Hotel.
6.Okt: Zhongdia, Shangri La
Leider auch heute morgen wieder Regen, tiefliegende Wolken und etwas Neuschnee
auf den Bergen, doch als wir weiter ueber den Pass fuhren kam teilweise
die Sonne raus. Als wir auf dem Weg nach Zhongdian an einem Kloster Halt
machen, war ich schockiert: Ein ganze Horde professioneller Fotografen,
eine weitere Crew die scheinbar fuer den VW Touareg filmten war vor uns
ueber das Kloster uns seine Moenchen hergefallen! Ich weis nicht ob es
daran lag, dass ich 2 Wochen lange keine Touristen gesehen habe, oder
vielleicht fuehre ich mich ja beim Fotografieren auch so ruecksichtslos
auf, aber ich fand das Szenario einfach abstossend. Wenn das die Zukunft
des Tourismus in Tibet ist, dann bin ich froh noch vorher hier gewesen
zu sein... Ich denke als reaktion schliessen die Tibetischen Kloester
ihre Pforten in Zukunft entweder ganz, oder aber sie schlachten das Finanziell
gnadenlos aus - beides waere traurig.
In der fruchtbaren Ebene des Gyeltang-chu, eines Nebenflusses des Yangtze,
liegt unser Fahrtziel Zhongdian (ca. 3340). Die Stadt im Nordwesten von
Yünnan trägt auch einen tibetischen Namen, Gyeltang Dzong. Zu ihren Bewohnern
zählen Tibeter sowie Han Chinesen und mehrere Ethnien, wie die Bai, Hui
und Naxi. Rund 7000 Pflanzenarten sollen in dieser Region gedeihen, darunter
so seltene wie der Blaue Mohn und etwa 200 Rhododendron- Arten.
7.Okt: Shangri La
Als erstes besuchen wir das Kloster Sumsanling, auch Songzanlin genannt.
Der vor 300 Jahren vom 5. Dalai Lama gegründete Klosterkomplex beherbergte
noch 1958 rund 1300 Mönche des Gelugpa-Ordens. Nach der fast vollständigen
Zerstörung durch die Chinesen (1959) begann ab 1982 der systematische
Wiederaufbau des Klosters. Heute können wieder mehrere Hundert Mönche
in den Gebetshallen ihre buddhistischen Übungen verrich-ten. Am Nachmittag
unternehmen wir eine 5-stündige Wanderung zum Napa See im Grasland nordwestlich
von Zhongdian. Vom Kloster Sumsanling aus wandern wir zunächst ein kurzes
Stück entlang einer befahrbaren Piste (3 km). Danach sind wir abwechselnd
durch Grasland, Steppe und Hügellandschaft etwa 12 km bis zum See unterwegs;
wir halten uns in einer Höhe von 3300 m auf. Vom Napa-See fahren wir zurück
nach Zhongdian.
8.Okt: Shangri La
Eine Ganztageswanderung führt uns zum Kloster Dabao in die Umgebung von
Zhongdian. Nach einer kurzen Anfahrt wandern wir auch heute durch Steppe
und hügeliges Gelände. Wir halten uns in Höhen zwischen 3300 und 3500
m auf, legen insgesamt etwa 20 km zurück und sind rund 7 Stunden auf den
Beinen. Das Mittagessen findet bei einer Tibetischen Familie statt. Es
gibt Buttertee, Joghurt, Brotfladen und selbstgemachten, geraeucherten
Kaese.
9.Okt: nach Kunming
Von der Bergwelt nehmen wir nun Abschied und fliegen nach Kunming - Hauptstadt
der chinesischen Provinz Yünnan, deren Name übersetzt „Südlich der Wolken“
bedeutet. Durch die geschützte Lage in einer fruchtbaren Ebene auf knapp
2000 m Höhe gelegen, herrscht hier das ganze Jahr über ein angenehmes
Klima, weswegen Kunming auch „Stadt des ewigen Frühlings“ genannt wird.
Außer Han-Chinesen leben in der Provinz Yünnan 21 verschiedene ethnische
Gruppen. Nachmittags machen wir eine Stadtrundfahrt mit Besuch des Blumen-
und Vogelmarktes.
10.Okt: Kumning / Shanghai
Frueh morgens Rueckflug nach Shanghai. Der Rest der Gruppe fliegt noch
nach Beijing und morgen zurueck nach Deutschland.
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